Wochenimpuls 23.11.- 29.11.2015

IdentitätEinen Spiegel kennt jeder. Wir schauen rein und können uns sehen. Jeden Morgen beim Zähneputzen mache ich Grimassen im Spiegel. Geduldig schaut er mir zu, wenn ich meine Haare versuche in Fasson zu bekommen und manchmal streckt er mir die Zunge raus. Hin und wieder lächelt er zurück, viel zu selten fällt mir gerade auf. Ich kann darin gut erkennen, ob meine Kleidung gut zusammen passt, die ich mir morgens im Halbschlaf ausgesucht habe. Ab und zu taucht noch eine andere Person im Spiegel auf, die sich mit mir das Badezimmer teilt. Naja, was erzähle ich Euch, Ihr kennt Eure eigenen Spiegelgeschichten.

Niemals komme ich auf die Idee, dass ich den Spiegel zerschlagen will, wenn mir etwas nicht gefällt, was ich darin sehe, denn schließlich ist er nur der Übersetzter für mich. Er macht sichtbar, was ich selbst sonst nicht sehen könnte, weil meine Augen eben nicht dafür ausgerichtet sind, auf mich zu schauen.

Manchmal gibt es Momente, da würde man ihn gerne anschreien, oder verhängen, viele zu selten bekommt er liebevolle Blicke und gefühlte Umarmungen. Eigentlich hat so ein Spiegel einen wirklich herausfordernden Job.

Wenn ich darüber nachdenke gibt es noch viel mehr Spiegel in unserem Leben. Kinder zum Beispiel oder Tiere, die sind regelrechte Seismographen. Die spiegeln ganz viel, besonders die Stimmungen oder die Dis-Balancen im Familiensystem. Meist wird es auf den ersten Blick nicht sichtbar. Das ist nicht so direkt, wie bei einem tatsächlichen Spiegel. Kann aber zu sehr wertvollen Hinweisen führen, wenn man mutig genug ist hinzuschauen und nicht den einfacheren Weg geht, das Kind oder Tier als schwierig abstempeln.

Welche Spiegel gibt es noch so im Leben?

Eigentlich kann jeder als Spiegel dienen. Die Spiegelbilder mit Wohlfühleffekt sind die, denen mit Liebe, Aufmerksamkeit und Wohlwollen begegnet wird. Schwieriger wird es mit den Spiegeln, die Gefühle der Abneigung, Wut, Trauer, Scham, Neid, Eifersucht, Hass, Aggression, Zorn, Angst und Überforderung hervorzaubern. Die größte Herausforderung ist es an dieser Stelle nicht den Spiegel, verantwortlich zu machen.

Es gibt dabei die verschiedensten Strategien, für diese schwierigen Situationen. Manche Spiegel werden verkauft, verschenkt oder ins Eck, auf den Dachboden oder in den Keller gestellt. Versuche des Austauschens werden hin und wieder erprobt. Kaputthauen eine Möglichkeit mit Folgen, denn nun gibt es nicht nur einen Spiegel, sondern ganz viele kleine Teilchen und Aufräumungsarbeiten stehen an.

Faszinierend ist es zu beobachten, wenn ein Spiegel anfängt zu lächeln und den Betrachter damit ansteckt. Das ist der schnellste Weg zur Zufriedenheit und Heilung.

Ganz nach dem Motto. “Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im Land?“ Wird der Spiegel immer nur damit antworten, was aus dem Innen heraus kommt.

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