cabinet-2012875_1280Unser Verstand ist vollgestopft mit so vielen Schuladen. Er teilt alles in richtig oder falsch ein. Meist hängen Erfahrungen aus der Vergangenheit daran, mit denen ein ständiger Abgleich vollzogen wird. Das verhindert dann oft, dass wir uns auf Situationen, Menschen und Gegebenheiten einlassen können. Meist sehen wir damit nur einen Seite der Medaille.

Wenn wir auf der Kante stehen würden, dann könnten wir wahrnehmen, dass es auch noch die andere Seite gibt. Aber unsere Schubladen halten uns auf einer Seite gefangen.

Ich habe in mir inzwischen schon einen guten Beobachter installiert, der dann zwar wahrnimmt: „Eh Du bewertest gerade!“, doch gleichzeitig entsteht in mir das Gefühl, dass dieses Bewerten nicht richtig ist. Dann fühle ich mich damit nicht wohl, aber ich finde keinen anderen Weg.  Gerade gestern war ich wieder an so einem Punkt. Das fühlt sich so ein bisschen wie Mausefalle ein, die ich mir dann selbst stelle.

Ich habe heute Morgen ausführlich mit einer Freundin darüber gesprochen, dabei ist mir dann eine neue oder sagen wir tiefere Erkenntnis gekommen. Es geht nicht darum das Bewerten zu unterbinden, denn das ist ständig im Leben notwendig. Ist das Badwasser heiß oder nicht? Kann ich Nacht die Musik noch bis zum Anschlag laut machen, oder nicht? Wir stehen ständig vor der Frage Situationen zu bewerten. Bewerten hilft uns also Antworten zu finden! Das hat mich in der Tiefe der Erkenntnis sehr erleichtert. Denn ich hatte das hehre Ziel, aus dem Bewerten auszusteigen, da war ein echter Knoten in meinem Kopf, wie das denn gehen sollte. Mein Herz hatte es schon lange klar, aber der Verstand braucht eben auch Antworten.

Im Bewerten ist der Wert enthalten und vieles hat für uns unterschiedliche Wertigkeiten. Es geht auch um wertschätzen. Persönlich können wir unterschiedliche Werte haben, aber sobald die Liebe dabei ist, wird schnell klar, dass unterschiedliche Werte nichts mit besser oder schlechter, richtig oder falsch zu tun haben. Hoffentlich gelingt es uns in Zukunft immer besser, uns von der Angstbewertung zu verabschieden und auf die Herzenswertung umzusteigen. Das ist meines Erachtens die förderlichste Währung, die dann auch dem Verstand neue Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet.

Was mir dabei noch aufgegangen ist, dass wir an unsere Bewertungen ganz viele Handlungsoptionen geknüpft haben, die uns nur ein geringes Spektrum zur Verfügung stellen. Wir kennen alle diese „Wenn, dann“-Reglungen, die uns ganz schnell in Trennung und negative Folgen von Bewertungen ziehen. Meistens machen wir das im Außen fest. Wenn der oder die so und so ist, dann …. Das verbaut uns einfach ganz viele Optionen. Oft geht es viel besser mit einem „sowohl als auch“.

Wenn mein Nachbar eine andere Meinung zu einem Thema hat, kann ich mit dem Nachbarn viel eher wieder einen gemeinsamen Nenner finden, wenn ich ihn nicht automatisch in eine meinen Bewertungsschuladen feststecke. Er kann eine andere Meinung haben, auch wenn ich die nicht teile, oder unbequem finde. Und trotzdem kann er weiterhin der humorvolle Nachbar sein, mit dem ich gerne im Sommer gemeinsam grille. Vielleicht steckt hinter der anderen Meinung ein neuer Blickwinkel oder Impuls, der mir neue Möglichkeiten bringt. Dies funktioniert aber nur, wenn ich mich löse von den alten Konzepten. Mein Herz dazu nehmen, es offen halte und ihn aufgrund der Einstufung nicht nur noch doof finde. Damit wir die Trennungsspirale nach unten unterbrochen.

Für mich bedeutet das, dass ich meine Bewertungen auf die daraufhin automatisierten Handlungen überprüfen darf.

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